15-kV-Netz im Umspannwerk Zeitz ertüchtigt
envia NSG (Naumburg). Am
15. November 2004 hat ein neues 15-kV-Netz im Versorgungsgebiet
des Umspannwerkes Zeitz seinen knapp 90 Jahre alten Vorgänger
abgelöst.
Ende November hat der betriebsführende Meisterbereich in
Tröglitz die letzte Station und die restlichen Kabel im Versorgungsgebiet
des Umspannwerkes außer Betrieb genommen. Im Gebiet des Umspannwerkes
Zeitz ersetzten die Mitarbeiter etwa 190 Kilometer Mittelspannungskabel
aus den Baujahren 1927 bis 1928 und 86 Stationen aus den
Baujahren 1913 bis 1914. Holger Borchert, zuständiger Meister,
und Hartmut Nagel, Projektverantwortlicher, fragen sich:
"Halten die neuen Anlagen auch so lange den Ansprüchen eines
Energiedienstleisters stand?"

Einpflügetechnik 1927 (Foto: D. Hesselbarth)
Störungen an den alten Kabeln
Wegen der langen Betriebszeit waren immer wieder Störungen
an den alten Kabeln aufgetreten. Holger Borchert berichtet:
"Dabei hielten sich die Reparaturkosten für die Störungsstelle
noch in Grenzen. Viel kostenintensiver waren die Reparaturen
bei den Folgefehlern." Die Trafostationen hatten sich in
dem gleichen desolaten Zustand wie die Kabel befunden:
Rundkupfer, einpolige Trenner, Voigt- und Häffner-Schalter,
Leistungstrennschalter der Typen AT 15, Niederspannungszugang
über eine Luke.
Größtenteils gerissen waren die Baukörper
vom Sturz über den Türen bis ins Obergeschoss. Die Stationen
waren von Salpeter befallen und feucht. Hartmut Nagel:
"Das ist nicht verwunderlich bei dieser Standzeit."

Vor 90 Jahren
Im Jahr 1927 war das 15-kV-Freileitungsnetz im Elektrizitätsverband Weißenfels-Zeitz
nach fast 20 Jahren Betriebszeit fast vollständig abgewirtschaftet, die Stromversorgung
unzuverlässig geworden.
Der Elektrizitätsverband versorgte die Kreise Weißenfels,
Zeitz, Naumburg, Querfurt und zum Teil den Kreis Merseburg mit elektrischer
Energie.
"Für die Netzertüchtigung wurden die Vor- und Nachteile von Freileitungen und
Kabel abgewogen", erklärt Holger Borchert. Letztlich habe man sich entschieden,
zu verkabeln. Ausschlaggebend dafür seien unter anderem geringe Wartungs- und
Instandhaltungsarbeiten gewesen. Zudem sei man davon ausgegangen, dass sich
die Kabel in 40 Jahren amortisierten, während eine Freileitung nach 15 bis
20 Jahren komplett erneuert werden müsse.
Auch Kosten spielten zur damaligen Zeit eine Rolle: Während eine Handverlegung
rund 1.640 Reichsmark pro Kilometer kostete, kostete das maschinelle Verlegen
265.00 Reichsmark pro Kilometer. Holger Borchert: "Bei den 420 Kilometer zu
verlegenden Kabeln sparte man eine ganze Menge Geld, um genau zu sein 577.500
Reichsmark."
Alte Verlegetechnik
Ein Unternehmen in Bad Oeynhausen wurde beauftragt, ein Verlegegerät
zu konstruieren. Es bestand aus einem Einleiterbagger und
konnte Gräben von 0,45 Meter Breite und 1,45 Meter Tiefe
ausheben. Ein Gurtförderer transportierte das Erdreich
hinter dem Kabel wieder zurück in den Graben. Bagger und
Kabeltransportkarren liefen auf Raupen. Der Bagger zog
den Kabeltransportwagen.
Man verlegte papierisolierte, verbleite und asphaltierte
Drehstromkabel in den Graben, deckte sie mit Ziegelsteinen
ab und schüttete sie mit Erde zu. Die Kabel hatten eine
Betriebsspannung von 15 kV. Sie bestanden aus metallisierten
Adern, ohne Eisenband oder Drahtbewehrung. Sie waren nur
mit Jute umwickelt.

Einpflügetechnik im Jahr 2004
Raupe mit Rüttelpflug (Foto: D. Hesselbarth)
Neues Netzkonzept
Zwischen 1996 und 1997 hatte der ehemalige MEAG-Bereich HEL-EP
das 15-kV-Netz des Umspannwerkes Zeitz untersucht. Die
Mitarbeiter entwickelten ein Netzkonzept, das bis Jahresende
2004 umzusetzen war. Wesentlicher Inhalt des Konzeptes:
Beachtung einer vereinfachten Leitungsführung unter den
Belastungsgrößen des Netzes, Wegfall von Quermaschen und
Ersatz von Trafostationen.
Die Anpassung an die enviaM-Planungsrichtlinien erfolgte
im Jahr 2002.
Dietmar Hesselbarth, N-T-NA-T-N

Internet: www.enviam.de
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