Stellwerk steht wieder im Foyer
Rettungsaktion: Requisiten und Technik vor
Abriss aus dem alten Theater geholt
Zeitz. Seit einer Woche
läuft der Abriss der Theaterimmobilie in der Zeitzer August-Bebel-Straße.
Zuvor wurden viele Container mit "Müll" aus dem Inneren der
Gebäude gefüllt. Bühnenbilder und Requisiten konnten noch
gerettet werden. Auch das alte Stellwerk. Es wurde gestern
im Capitol aufgestellt.

Uwe Hofmann und Rolf Krekel (links) von BERGE-BAU, der Firma,
die Norbert Hörig und Jürgen Kautz (rechts) bei der Rettung
des
alten Stellwerkes aus dem Theaterfoyer und vor allem dem
schwierigen Transport ins Capitol unterstützten, brachten
es
gestern vor Ort.
(MZ-Foto: Hartmut Krimmer)
Ein Grundsatz von Norbert
Hörig ist: Das
kostet alles Geld. Und so suchte er, während die Abrissvorbereitungen
im alten Theater in der Zeitzer August-Bebel-Straße liefen,
ob nicht noch brauchbare Dinge zu finden waren. Es waren.
Viele Requisiten und Dekorationsteile, die für den Müll vorgesehen
waren.
"Das alte Stellwerk wäre in den Müll gewandert!"
Jürgen Kautz, Regisseur
Jürgen Kautz, der lange Jahre als Regisseur
am Zeitzer Theater gearbeitet hatte, und jetzt das Amateurtheater
Zeitz des Kultur-Kunst- und Theatervereins der Stadt leitet,
war immer wieder versichert worden, dass sich nichts, aber
auch gar nichts Brauchbares mehr im Theater befinde. Alles
sei herausgeholt worden. So kümmerte er sich eigentlich nur
um Fotos für die Dokumentation und die Ausstellung zum "Tod
eines Theaters", die der KuK vorbereitet, als er plötzlich
erstarrte: Unter all den Dingen, die quasi schon im Müllcontainer
waren, befand sich auch das alte Stellwerk, das jahrelang
als eine Art Museumsstück im Foyer des Theaters in der August-Bebel-Straße
gestanden hatte. Er wollte es auf keinen Fall dem Sperrmüll
überlassen. So trafen sich Kautz und Hörig. Und handelten.

Von den Mitarbeitern der Gala-Mibrag-Service
GmbH vor Ort erhielten sie riesige Unterstützung. Das Stellwerk
wurde gesichert. Doch das war noch nicht alles. Komplette
Bühnenbilder, noch mehr Requisiten, ganze Stapel von Textheften
und Notensätzen befanden sich genau so noch im Haus wie die
Drehscheibe. Zu Müll deklariert, zum Abriss freigegeben.
Doch weil alle mit zupackten, konnte nahezu alles gerettet
werden. Außer der Textbücher und Noten. Und außer sämtlicher
im Theater gesammelter Bühnenbildmodelle seit 1990. Kautz
erwischte noch ein einziges Heiles und in die Wut mischte
sich auch ein wenig Freude, es war das einer seiner Inszenierungen,
"Minna von Barnheim".

Dutzende von Bühnenbildmodellen befanden sich noch im Theater.
Mittlerweile waren sie fast alle zerstört. (MZ-Foto: Hartmut
Krimmer)
Hörig kümmerte sich derweil mit dem Zeitzer
Weinverein um den Transport des Stellwerkes. Dennoch
waren beide dann ein wenig sprachlos über die große Unterstützung
der Firma BERGE-BAU. Die sicherte das Teil,
reinigte es. Dort machte man sich auch Gedanken, wie es aufzustellen
wäre. Und wo? Einige Gedanken wurden durchgespielt. Warum
nicht da, wo der Ersatz für das Zeitzer Theater entstanden
sein soll, im Capitol? Und auch hier fand Kautz offene Ohren
bei
Daniel Englert. Stehen sollte es wie im
alten Haus im Foyer. Und die Firma BERGE-BAU lieferte
es gestern an. "Ausgepackt" wurde das Stück Zeitzer Theatergeschichte
gemeinsam. Auch
Rudolf Becher, einst Techniker am alten
Haus, fasste mit zu ...

Der Abriss läuft jetzt auch am Haupthaus des
alten Theaters, das Foyer steht bereits nicht mehr.
(MZ-Foto: Hartmut Krimmer)
In der Zwischenzeit galt es, so viel wie
möglich aus den Müllcontainern noch zu nutzen. Hörig startete
Rundrufe, Kautz und er fuhren mehrere Fuhren in den Fundus.
Und als der Abriss des eigentlichen Theatergebäudes begann,
atmeten beide ein wenig auf: "Es wird alles weiter genutzt."
Von Vereinen, Gastronomen, Winzern aus Zeitz und Umgebung.
"Dank des privaten Engagements, der Zusammenarbeit von Vereinen
und der großen Hilfe von Unternehmen haben wir wenigstens
das erreicht", meinten beide. Der Theaterabriss wird bald
abgeschlossen sein. "Eigentlich schade drum", sagte Hörig,
nachdem er die Gebäude kennen gelernt hat. Und dem schlossen
sich angesichts der guten Bausubstanz, die hier zerstört
wird, auch Baufachleute an.
Von unserer Redakteurin Angelika Andräs

Internet: www.mz-web.de
BERGE-BAU "Wir versetzen Berge!"
